
Finnland hat schon viele Beweise für sein Können in der Friedensvermittlung geliefert, aber seine Rolle kann noch weiter gestärkt werden. Mit den vom Aussenministerium publizierten Leitlinien Finnlands für die Friedensvermittlung „Rauhanvälitys – Suomen suuntaviivoja“ wird die Diskussion über neue Möglichkeiten des Landes in der Friedensvermittlung eröffnet. „Die Friedensvermittlungsinitiative ist der Startschuss dafür, dass Finnland zu einer wirklichen Grossmacht in der Friedensvermittlung wird.“ So beschrieb Aussenminister Alexander Stubb seine Vision, als die Leitlinien am 6. Mai in Helsinki offiziell vorgestellt wurden.
„Wir sind ein sehr starker Akteur in der Friedensvermittlung und haben Potenzial. Mit der Initiative soll erreicht werden, dass unser Land in der Friedensvermittlung dasselbe Niveau erreicht wie beispielsweise Schweden, Norwegen und die Schweiz“, bemerkte Stubb, der zu der Präsentation eingeladen hatte.
Altpräsident Martti Ahtisaari, einer der Teilnehmer an der Veranstaltung im Helsinkier Kasino Katajanokka, unterstrich in seiner Ansprache Finnlands guten Ruf und aktive Arbeit in der Friedensvermittlung. „Ohne Finnlands Unterstützung hätte es keinen Frieden für Aceh gegeben“, konstatierte Ahtisaari. „Das hier ist eine gute Diskussionseinleitung und eine natürliche Initiative von Finnland. Wichtig ist, dass Friedensvermittlung als umfangreicher Prozess gesehen wird.“
Die Hauptredner der offiziellen Präsentation Stubb, Ahtisaari und Pekka Haavisto, Mitglied des Parlaments, hoben die Bedeutung von Zusammenarbeit und Ausdauer bei der Friedensvermittlung hervor. Im besten Fall könne durch Friedensvermittlung das Ausbrechen von Konflikten verhütet werden. Ausserdem sei es auch wichtig, die Entwicklung nach den Friedensprozessen zu unterstützen.
Aussenminister Stubb sprach während der Präsentation auch über zwei seiner Träume. „Es wäre schön, wenn Finnland einen Friedensvermittlungsfonds gründete, aus dem Geld zur Verfügung gestellt werden könnte, wenn es eng wird. Der zweite Traum wäre eine Friedensvermittlungsinstitution, in der finnische beziehungsweise internationale Friedensvermittler ausgebildet würden.“
Auch Haavisto hob hervor, wie wichtig die Ausbildung sei. „In der Arbeit für den Frieden gibt es viel Konkurrenz, und amateurhaftes Vorgehen bringt nichts. Deshalb muss Finnland seine Kompetenz verbessern“, so die Meinung des Sonderbeauftragten des Aussenministers für die Krisen in Afrika.
Ausserdem unterstrich er die Bedeutung der Migranten in den Friedensprozessen und stellte dabei fest: „Die Diaspora kann eine grosse Rolle in den Friedensprozessen spielen. Beispielsweise verfolgen viele Somalier, die ausserhalb ihrer Heimat leben, den Friedensprozess in ihrem Land äusserst genau und kennen auch dessen Akteure“.
Haavisto ist überzeugt, dass Finnland seine Aktivität zum Beispiel am Horn von Afrika vergrössern kann. „Das Horn von Afrika ist eine Region mit vielen Problemen. Positiv ist, dass es in Darfur und Somalia Operationen zur Friedenssicherung gibt, die von der Afrikanischen Union unterstützt werden. Die Friedensprozesse dauern jedoch noch an, weil nicht alle bewaffneten Gruppierungen in die Verträge einbezogen sind.“
„Meine Philosophie ist die, dass wir so lange alles versuchen müssen, bis sämtliche bewaffneten Gruppen am Verhandlungstisch sitzen. Dabei ist Geduld gefragt, denn die Konflikte werden nicht an einem Tage gelöst“, fügte Haavisto hinzu.
Die Friedensvermittlung bietet Aktionsraum für viele: für Staaten, internationale Organisationen, Nichtregierungsorganisationen und Privatpersonen. So waren bei der Präsentation auch Beiträge von Repräsentanten verschiedener Organisationen zu hören, und unter den geladenen Gästen befanden sich erfahrene Friedensvermittler.
Die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure ist wichtig, und Finnland kommt in der Welt nicht allein zurecht. „Finnland muss sich aktiv an der Arbeit von EU und UN beteiligen“, sagte Ahtisaari. „Auch dafür müssen Mittel zur Verfügung gestellt werden.“
In den vom Aussenministerium herausgegebenen Leitlinien, die im Auftrag von Aussenminister Stubb und unter Mitwirkung von Altpräsident Ahtisaari erarbeitet worden sind, werden das Umfeld der internationalen Friedensvermittlung und die Mittel untersucht, mit denen Finnland seine Rolle in der Friedensarbeit stärken kann.
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